Neue Knotenpunkte für das Radnetz im Osnabrücker Land
Petra Rosenbach leitet seit vielen Jahren die Tourismusgesellschaft Osnabrücker Land. Gemeinsam mit den Kommunen und den LEADER-Regionen bringt sie aktuell das Knotenpunktsystem für den Radverkehr im Landkreis Osnabrück auf den Weg. Wir wollten wissen, warum dieses Projekt so bedeutend ist und welche Rolle LEADER dabei spielt.
Frau Rosenbach, was genau ist überhaupt ein Knotenpunktsystem?
Das Knotenpunktsystem stammt ursprünglich aus den Niederlanden. Man kann es sich wie ein Netz vorstellen, das über die gesamte Region gelegt wird. An Kreuzungspunkten von Wegstrecken befinden sich künftig nummerierte Knotenpunkte mit Übersichtstafeln. Radfahrer orientieren sich dann nicht mehr an einzelnen ausgeschilderten Touren, sondern fahren einfach eine Zahlenfolge ab. Man startet zum Beispiel bei Punkt 13 und fährt dann über Punkt 15 zu einer Sehenswürdigkeit an Punkt 20. Das macht die Planung flexibler und individueller. Man kann spontan an jedem Kreuzungspunkt entscheiden, wie viele Kilometer man fahren möchte oder welche Ortschaften eingebunden werden sollen.
Warum führt das Osnabrücker Land dieses System jetzt ein?
Viele touristische Nachbarregionen, vom Emsland über die Grafschaft Bentheim bis ins Münsterland, nutzen das System bereits erfolgreich. Wir schließen jetzt eine Lücke für unbeschwertes Radfahren über Kreis- und Landesgrenzen hinweg. Besonders erfreulich ist, dass alle 21 Kommunen im Landkreis und die Stadt Osnabrück das Projekt unterstützen. Das ist keineswegs selbstverständlich und zeigt, dass der Mehrwert für die Region klar gesehen wird.
Welche Vorteile bringt das System für Gäste und Einwohner?
Es vereinfacht die Orientierung und macht das Radfahren noch zugänglicher. Gleichzeitig reduziert es die Vielzahl an ausgeschilderten Einzelrouten. Künftig stehen die Knotenpunkte im Mittelpunkt, ergänzt durch Radfern- und Themenrouten. Das spart natürlich auch Beschilderung und ist nachhaltiger. Eine Knotenpunkt-App sorgt für einfache Orientierung.
In der Vermarktung eröffnet das System neue Möglichkeiten. Wir können saisonale oder thematische Tourenvorschläge machen, etwa zur Rapsblüte oder zur Verknüpfung besonderer Kulturorte, ohne zusätzliche Beschilderung. Und nicht zuletzt trägt es zur Lebensqualität der Menschen vor Ort bei. Radfahren wird noch attraktiver, sowohl für Gäste als auch für die eigene Bevölkerung.
Welche Rolle spielen die LEADER-Regionen bei diesem Projekt?
Im Osnabrücker Land sind alle fünf LEADER-Regionen beteiligt: Nördliches Osnabrücker Land, Südliches Osnabrücker Land, Hufeisen-Region, Wittlager Land sowie Melle. Die Konzeption des Knotenpunktsystems wurde durch LEADER gefördert. Jede LEADER-Region hat das Projekt in ihre Lokale Aktionsgruppe (LAG) eingebracht und nach dem Entscheidungsprozess grünes Licht gegeben. Das hat sehr gut funktioniert und die vorbildliche Zusammenarbeit im Osnabrücker Land gezeigt.
Durch diese Kooperation konnten die notwendigen Fördermittel für die Planungsphase gebündelt werden. Gleichzeitig sorgt der gemeinsame Weg durch die Lokalen Aktionsgruppen (LAG) dafür, dass das Projekt von Kommunen und Gesellschaft breit getragen wird. Das ist ein großer Vorteil für ein Vorhaben dieser Größenordnung.
Wie geht es nun weiter? Wann können erste Radfahrer das neue Netz testen?
Derzeit befinden wir uns in der Feinplanung. Die Kommunen prüfen die vorgeschlagene Streckenführung noch einmal, anschließend folgen Ausschreibung und Vergabe für Material und Montage. Die Umsetzung ist ab Frühjahr 2027 vorgesehen. Die Investitionssumme für die benötigte Infrastruktur und deren Installation liegt bei rund 1,5 Millionen Euro. Im Gegensatz zur Konzeption soll die Realisierung über ein Infrastrukturprogramm gefördert werden, das einen Großteil der Kosten übernimmt.
Was bedeutet das Projekt für die Zukunft der Region?
Das Osnabrücker Land ist bereits eine ausgezeichnete Radregion. Eine aktuelle Zählung zeigt, dass sich die Zahl der Radfahrenden in den vergangenen zehn Jahren mehr als verdoppelt hat. Das Knotenpunktsystem ist der nächste logische Schritt, um diese Entwicklung weiterzuführen. Es stärkt den Tourismus, erhöht die Lebensqualität und verbindet die Region noch enger über Gemeinde- und Kreisgrenzen hinweg.